Die Geschichte des Kendo

Die Anfänge des Schwertkampfes in Japan 

Die Geschichte des japanischen Schwertfechtens begann im 4.-7. Jahrhundert, als sich das eiserne Schwert vom Kontinent über Korea nach Japan als nützliche Kampfwaffe ausbreitete. Zu dieser Zeit war das Schwert (Tachi) flach und massiv und hatte eher Statuscharakter. Mit zunehmender Verwendung im Kampf wurde es leichter, schärfer und leicht gebogen geschmiedet. Zum Ende der Heian-Epoche (12. Jhdt) waren immer noch Pfeil und Bogen die wichtigste Kriegswaffe, erst während der folgenden Kamakura-Epoche (1185-1333) errang das Schwert (Nihonto) gleichrangige Bedeutung auf dem Schlachtfeld. In der kriegerischen Muromachi- Epoche breitete die Schwerttechnik dann schnell über das Land aus. Anfänglich gab es noch keinen einheitlichen Schwertkampfstil, erst später entwickelten sich aus den verschiedenen Handgriffen einige Dutzend unterschiedliche Fechttechniken. Jeder Fechtlehrer verbesserte seinen Fechtstil und gründete bei Erfolg eine eigene Schule (Dojo) für die Kunst des Schwertkampfes (Kenjutsu). Kenjutsu wurde zum Pflichtfach jedes Samurais (Mitglied der Kriegerkaste), deren berühmte Lehrer die Erkenntnisse über ihre Techniken schriftlich niederlegten und weitergaben. Die Einführung von Kopf- und Handschutz brachte die Kunst des Schwertkampfes einen großen Schritt nach vorne, da die Schläge nunmehr ausgeführt statt nur angedeutet werden konnten. Als sich die herrschenden Klassen im 19. Jhdt allmählich auflösten, wurde innerhalb des Kenjutsus ein Kämpfer (Bushi) nicht mehr nach Herkunft oder Dojo-Zugehörigkeit beurteilt, sondern nach seinen Kampfleistungen. 1853 erzwang die amerikanische Flotte mit Angriffsdrohungen die Öffnung des Landes nach aussen. Die Japaner erkannten die Macht der neuen Waffen und bedienten sich ihrer. Kenjutsu drohte sogar auszusterben, als das Meiji-Edikt von 1876 das Tragen scharfer Schwerter verbot. Nur die Pflege in den Polizeischulen rettete es davor. In den dicht darauf folgenden Kriegen wurde es wieder in die militärische Ausbildung aufgenommen und fand viele Anhänger. Unter dem Namen Kendo wurde es in den Lehrplan der Schulen aufgenommen. 1931 wurde es neben Judo Pflichtfach. 


Kendo im zwanzigsten Jahrhundert 

In den folgenden Kriegsjahren wurde Kendo wieder als Kampfmittel entfremdet, worauf die Alliierten die Öffentliche Ausübung nach Beendigung des zweiten Weltkriegs verboten. Erst nach Gründung von Studentenverbänden 1948 gewann Kendo neue Anhänger, es konnten erneut Kendomeisterschaften stattfinden und 1953 wurde auch das Verbot von Schulkendo aufgehoben. Heute zählen Kendo und Judo jeweils über 5 Millionen Aktive in Japan. Beim Kendo geht es um einen Weg der Selbsterfahrung, der Schulung und Entwicklung des Geistes und des Bewußtseins, einen Weg (Do) des Lebens, dem man folgen kann. Auch wenn es sich damit von Kenjutsu (der Technik des Schwertkampfes) abgrenzt, steht der sportliche Aspekt außer Zweifel. Abgesehen von gelegentlichen Kendovorführungen japanischer Militärs sowohl vor dem 1. als auch dem 2. Weltkrieg wird Kendo erst seit 1966 in Deutschland praktiziert. 


Kendo heute 

Als aktiver Kendoka hat man heute eine große Anzahl an Möglichkeiten seinen Sport auszuüben. Neben den Angeboten der Vereine wird auf Landesebene (NKenV) ein regelmäßiges Lehrgangsprogramm mit zwei oder mehr Lehrgängen pro Jahr angeboten. Dazu werden hochrangige Kendolehrer eingeladen, die dann in Wochenendseminaren die Teilnehmer anleiten. Ambitionierte Kendoka können sich regelmäßig auf Turnieren mit anderen Sportlern messen. Darüber hinaus besteht unter anderem die Möglichkeit am Mannschaftstraining für die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft teilzunehmen. Auch wer Kendo eher als Freizeitsport betreiben möchte, hat bei uns immer die Gelegenheit sich sowohl im sportlichen als auch im geselligen Rahmen zu bewegen. So findet zum Beispiel jedes Jahr ein Sommertreffen der niedersächsischen Vereine statt, bei dem man sich in gemütlicher Runde mit anderen Kendokas austauschen kann.